!Sperrfrist Donnerstag, 16. Februar 2006, 0 Uhr!.
Bonn. Die Berliner CDU will Friedbert Pflüger ins Rennen um das Rote Rathaus schicken – allein diese Nachricht sorgte in den ersten Wochen des Jahres 2006 dafür, daß die Journalisten ihn in Artikeln und Beiträgen so gut bewerteten wie keinen anderen deutschen Spitzenpolitiker. Dies ergab eine Analyse, die das Bonner Medienforschungsinstitut Media Tenor exklusiv für „Capital“ vorgelegt hat.
In den kommenden Monaten bis zur Abgeordnetenhauswahl im September wird Pflüger nun zeigen müssen, ob er diesem Vorschuß an Mediengunst mit politischen Inhalten weitere Positivschlagzeilen folgen lassen kann. Pflüger verdrängte Anfang 2006 die Kanzlerin vom ersten Platz der bestbewerteten Politiker. Angela Merkel (CDU) blieb ihr Medienbonus dennoch erhalten: 13,5 Prozent der Berichterstattung über sie waren im Untersuchungszeitraum positiv. Im Vormonat hatte Merkel einen Positivanteil von 15 Prozent erreicht. Auf der Negativliste der Politiker mit der schlechtesten Bewertung liegt weiterhin Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vorn: Die außenpolitischen Positionen Schröders sehen die meinungsführenden Medien inzwischen eher kritisch.
Unter den am schlechtesten bewerteten Politikern fällt Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) auf: Er hat Anfang 2006 das schwächste Medienimage im neuen Kabinett. Seine Ministerkollegin Ulla Schmidt (SPD) dagegen – sonst überwiegend mit negativem Medienbild – kommt im Capital-Ranking unter die Top Fünf. Doch die Gesundheitsministerin polarisiert. Zwar waren 10,2 Prozent der Aussagen zu Ulla Schmidt positiv, gleichzeitig aber 10,0 Prozent negativ.
Neu unter den fünf am schlechtesten bewerteten Politikern ist Günther Oettinger. Die Medien sehen den baden-württembergischen Ministerpräsident wenige Wochen vor der Landtagswahl unter Druck. „Negative Berichterstattung in überregionalen Medien muß aber noch nicht heißen, daß Oettinger die Wahl verliert“, urteilt Markus Rettich, Politikchef bei Media Tenor, und erinnert an die hessische Landtagswahl 1999. Damals sei Roland Koch in den Medien für die Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsangehörigkeit abgestraft worden – auf diese Weise habe die CDU ihre Stammwähler besser mobilisieren können als die SPD. „Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Medienschelte für den Einbürgerungs-Fragebogen in Baden-Württemberg auch diesen Effekt hat“, glaubt Rettich.
Für die Analyse hat Media Tenor 35.660 Aussagen von/über die ausgewählten Politiker in 16 deutschen Meinungsführermedien (Tages-, Wochenpresse und TV-Nachrichten) ausgewertet. Zeitraum: 6. Januar bis 5. Februar 2006. Die Top-5- sowie die Flop-5-Politiker finden Sie in der morgen (16.02.) erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „Capital“.
Analyse als pfd zum Download
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