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Anti-Amerikanismus in deutschen Medien nimmt ab
2006-06-22
Roland Schatz stellt in Dresden Studie zur transatlantischen Berichterstattung vor

Dresden/Bonn. Die Berichterstattung über Amerika war Anfang 2006 in den deutschen Meinungsführer-Medien weniger einseitig als noch ein Jahr zuvor. Dennoch zeigt die Nachrichtenauswahl über Ereignisse im Irak sowie über die Bush-Administration, daß anti-amerikanische Stereotype noch immer die Agenda der Politik- und Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland bestimmen. Dies zeigt eine Analyse des Bonner Medienforschungsinstituts Media Tenor, die am 21. Juni 2006 bei einer Panel-Diskussion zum Thema „Media and Transatlantic Relations“ in Dresden einem internationalen Fachpublikum präsentiert wurde. Media Tenor-Geschäftsführer Roland Schatz stellte die Studie bei dem Empfang im Dresdener World Trade Center vor und folgte so einer Einladung des Claus M. Halle Institute for Global Learning an der Emory University (Atlanta, Georgia/USA). Die Universität hatte den Abend anläßlich der Jahreskonferenz der International Communication Association (ICA) organisiert, zu der sich derzeit Kommunikationswissenschaftler aus aller Welt in Dresden treffen.

Seit dem Wahlkampf 2002 hatten sich die deutschen Meinungsführermedien die Position des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zu eigen gemacht und im Zweifel eher auf negative Beispiele aus den Vereinigten Staaten abgehoben, als den realen Verhältnissen dort mit ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden. „Wer im Jahr 2003 über US-Unternehmen mit einem Negativ-Saldo von teilweise über 60% berichtet, wie zum Beispiel die ARD-Tagesthemen, muß sich die Frage gefallen lassen, welche Wirklichkeit hier abgebildet wird, wenn die Top-500-Unternehmen laut Standard & Poor’s im gleichen Zeitraum Rekorderfolge in ihren Bilanzen aufgewiesen haben“, sagt Schatz.

In der Wirtschaftsberichterstattung kann der latente Anti-Amerikanismus am besten nachgewiesen werden, denn bei der Auswahl, über welche Unternehmen informiert wird und über welche nicht, sollten parteipolitischen Präferenzen prinzipiell keine Rolle spielen. Dennoch wurden Nachrichten aus den Unternehmen Dell, Nike oder Goldman Sachs im Zweifel als nicht berichtenswert eingestuft, während Berichte über das Scheitern von Enron in Endlosschleife liefen. Der Trend scheint aber mit dem Regierungswechsel in Berlin gestoppt: In der Analyse zur Berichterstattung 2005 wird deutlich, daß die deutschen Meinungsführer-Medien ihren Negativ-Saldo überwunden und im vergangenen Jahr zu einer ausgeglicheneren Darstellung gefunden haben. Umgekehrt wurde 2004-2005 in den amerikanischen Meinungsführer-Medien über Europa insgesamt und über Deutschland besonders positiv geurteilt, während im Zeitraum 2001-2003 die unternehmerischen Erfolge in Wall Street Journal, Time, Newsweek neutral sowie in den Hauptnachrichtensendungen von ABC, CBS und NBC noch neutral dargestellt wurden.

Zu den weiteren Diskussionsteilnehmern in Dresden gehörten Melinda Crane (Deutsche Welle und CNBC (Global Players with Sabine Christiansen)), Ian Johnson (Wall Street Journal) und Albrecht Meier (Tagesspiegel). Moderiert wurde der Abend von Prof. Holli Semetko (Emory University), die auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Media Tenor ist. Roland Schatz lud Teilnehmer, Zuhörer und Interessierte ein, die Diskussion bei der von Media Tenor organisierten 7. Internationalen Agenda Setting Conference vom 11.-13. Oktober 2006 auf dem Petersberg bei Bonn weiterzuführen und zu vertiefen.

Media Tenor hat für die Studie die Berichterstattung in den Zeiträumen 01.01.2001-31.12.2003 und 01.01.2004-30.06.2005 miteinander verglichen. Folgende Medien wurden ausgewertet: Deutschland: Welt, FAZ, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, Bild-Zeitung, Sächsische Zeitung, Berliner Zeitung, taz, ARD Tagesschau, Tagesthemen, ZDF Heute, Heute Journal, RTL Aktuell, SAT.1 News, ProSieben Newstime, Focus, Spiegel, Zeit, Stern, Super Illu, Bild am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag, Bericht aus Berlin, Fakt, Kontraste, Monitor, Panorama, Plusminus, Report (BR und SWR), Berlin direkt, Frontal 21, WISO. USA: ABC, NBC, CBS Evening News, Time, Newsweek, Wall Street Journal US Edition. Analysiert wurden alle Passagen mit mindestens 5 Zeilen/Sekunden Länge über Unternehmen, Vorstände oder Branchen in den genannten Medien. Für die Auswertung wurden die Staaten, die im Zusammenhang mit den Unternehmen genannt wurden, zu regionalen Gruppen zusammengefaßt..

Außerdem wurde für den Zeitraum 01.01.2005-28.02.2006 die Berichterstattung über US-Akteure in folgenden deutschen Medien analysiert: Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Welt, ARD Tagesthemen, ZDF Heute Journal

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