Der Bundesstaat wird in der Berichterstattung der meinungsführenden deutschen Medien überwiegend kritisiert und banalisiert. Nach einer aktuellen Langzeitanalyse der Berichterstattung über Föderalismus und die Länder durch das Bonner Medienforschungsinstitut Media Tenor lassen sich in den letzten Jahren drei Trends erkennen: Erstens wurde die Lage des Bundesstaates Deutschland in den vergangenen Jahren zunehmend kritischer dargestellt. Zweitens hat der Stellenwert der Länder in der Berichterstattung insgesamt abgenommen, und drittens wird die Landespolitik banalisiert, das heißt, vor allem auf Fragen bundespolitischer Relevanz, insbesondere auf Machtfragen reduziert.
Losgelöst vom Thema Föderalismus haben die Bundesländer insgesamt in der Berichterstattung aus und über Deutschland an Bedeutung verloren. „Sank der Anteil der Beiträge, die sich überwiegend mit den Ländern befasst haben, im Jahr 2004 erstmals unter die 20%-Marke, ging dieser Wert in den ersten sechs Monaten des Jahres 2005 noch einmal zurück“, erläutert Markus Rettich, Leiter der politischen Analyse bei Media Tenor. Der Anteil der Berichterstattung aus oder über die Länder fällt in den Fernsehnachrichten am größten aus, was aber vor allem in der Themenwahl begründet ist. Die Länder sind in der TV-Berichterstattung in erster Linie als Tatort interessant. Die Themen Kriminalität und Justiz kommen 2004/05 zusammen auf einen Anteil von 11,7 Prozent. An zweiter Stelle liegt der Fußball gefolgt von Wahlen. Themen wie Kultur oder Bildungspolitik bestimmen dagegen kaum das Medienbild der Bundesländer.
Ein Blick auf die am häufigsten angesprochenen landespolitischen Akteure bestätigt die Folgerung, dass Landespolitik von den Meinungsführermedien besonders dann wahrgenommen wird, wenn sie bundespolitische Relevanz hat. Dank Edmund Stoiber liegt die bayerische Landesregierung an der Spitze dieser Statistik.
| << zurück << | Zum Herunterladen der Ergebnisse bitte anmelden |