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Deutschland im Fernsehen: eine soziale Katastrophe
2008-10-21
Zürich, 21.10.2008: Die soziale Lage in den deutschen TV-Nachrichten, 01-10/2008

Zürich, 21.10.2008: Glaubt man den Fernsehnachrichten, so steht die Bundesrepublik am Abgrund des sozialen Zusammenbruchs: In beinahe der Hälfte aller Darstellungen der sozialen Lage der Nation zeichneten die Hauptabendnachrichten in ersten 10 Monaten des Jahres ein kritisches Bild. Lediglich 12% berichteten von positiven Entwicklungen. „Damit ist der Grund für die weitere Verunsicherung der Bevölkerung vorbereitet, denn nun fallen die Krisennachrichten aus der Wirtschaft erst recht auf fruchtbaren Boden“, erklärt Dr. Christian Kolmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Züricher Forschungsinstituts Media Tenor.

Seit Jahren zeichnet das Fernsehen ein verheerendes Bild der sozialen Lage in Deutschland – unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Dabei fällt das Bild stets düster aus, welcher Bereich auch in den Blick genommen wird, sei es das Gesundheitssystem, die Altersvorsorge oder der Bildungssektor. Der Nachrichtenfaktor „Negativismus“ schlägt in keinem Sachgebiet so stark durch wie in der Darstellung der sozialen Situation. „Die Attraktivität schlechter Nachrichten für Journalisten trifft hier auf die Interessen von Politikern und NGOs, die die Werbetrommel für ihre Anliegen und ihre Leistungsgesetze rühren“, erläutert Dr. Kolmer.

Im Jahr 2008 lag der Schwerpunkt der Berichterstattung bis jetzt auf dem Gesundheitssystem. Aber die Medien sehen nicht nur die Versorgung der Kranken in der Krise – auch den Deutschen selbst geht es schlecht: 52% der Berichte zeichnen ein kritisches Bild, aber nur 7% beschreiben positive Aspekte. Das verheerende Bild der Volksgesundheit steht damit in einem kaum überbrückbaren Kontrast zum Überalterungs-Schreckens-Szenario in der Darstellung des deutschen Rentensystems. Positives kann das Fernsehen nur im Bereich der Frauen-, Familienpolitik vermelden.

Noch auffälliger als die Flut der Krisennachrichten von den einzelnen „Reformbaustellen“ ist der hohe Anteil abstrakter Beschreibungen. Zwei Drittel der Berichte, die die soziale Lage in ihrer Gesamtheit untersuchen, wies eine kritische Tendenz auf. Vor diesem Hintergrund ist leicht nachzuvollziehen, daß die öffentliche Zustimmung zum System der sozialen Marktwirtschaft im Jahr 2008 einen neuen Tiefstand erreicht hat. Nach der jüngsten Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung halten 73 Prozent der Deutschen die wirtschaftlichen Verhältnisse für ungerecht (http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-0A000F0A-10BB2088/bst/hs.xsl/nachrichten_87609.htm).

MEDIA TENOR analysiert die Berichterstattung über die Lage der Nation seit dem Jahr 1994. Für diese Analyse wurden 2.902 Beiträge in 17 deutschen TV- und Hörfunkmedien ausgewertet.

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