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Obama punktet vor allem im Ausland
2009-04-30
Zürich, 30.4.2009: Personality und PR überdecken Schwächen in der Wirtschaftspolitik

Barack Obama hat bereits auf seinem langen Weg in das Weiße Haus die Journalisten weltweit begeistert. Und seine positive Wahrnehmung überdauerte auch die ersten hundert Tage. Vor allem die deutschen und arabischen Fernsehnachrichten berichteten weiterhin mit Begeisterung: 21,2% der Aussagen in den deutschen Nachrichten und 17,9% der Aussagen in Al Arabiya, Al Dschasira und LBC TV bewerteten Obama positiv. Der Anteil kritischer Informationen lag unter 8%.

„Das Augenmerk der ausländischen Journalisten galt eher seiner gewinnenden Persönlichkeit oder der Präsentation seines Hundes als den Themen, die bei den US-Nachrichten im Vordergrund standen: Wirtschaftspolitik, Steuern und Auswahl seines Kabinetts“, interpretiert Roland Schatz, Chefredakteur Media Tenor International, den Unterschied in der Themenauswahl der internationalen TV-Nachrichten. Das Forschungsinstitut beobachtet seit 2000 kontinuierlich das Medienbild des Präsidenten und der führenden US-Politiker kontinuierlich in den Fernsehnachrichten in Deutschland, England, den USA und in ausgewählten arabischen Satelliten-Sendern.

In den US-Nachrichten fiel das Medienbild Obamas deutlich weniger enthusiastisch aus. Selbst ABC, CBS und NBC, die keineswegs als Parteiorgane der Republikaner gelten, beurteilten Obama unter dem Strich in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit eher kritisch. „Die Hoffnungen auf den neuen Präsidenten richteten sich vor allem auf die Wirtschaftspolitik, aber gerade hier konnte Obama nicht überzeugen“, erläutert Dr. Christian Kolmer, Leiter Politikanalysen bei Media Tenor. Bezeichnenderweise war Obamas öffentlicher Auftritt für die US-Nachrichten wichtiger als die Außenpolitik. „Damit kann auch die Begründung für die schwachen Zustimmungsraten der US-Bevölkerung für Obama gesucht werden: mit 49% Zustimmung zu seiner Amtsführung hat Obama schon in den ersten 100 Tage viel von seinem Kredit bei den Wählern in Amerika eingebüßt“.

Barack Obamas Europareise hat vor allem im Ausland den Blick von der Wirtschaftskrise abgelenkt – mit klaren Folgen für die Bewertung. Aber auch in den USA wurde das Bild zu Anfang April ausgewogener – schon bevor Obamas Hund im Weißen Haus eintraf. „Obama hat große Erwartungen geweckt, vor allem in Europa und in der moslemischen Welt“, erklärt Kolmer. Vor allem in diesen Ländern profitiert Obama in erster Linie von den vorteilhaften Vergleichen mit seinem Vorgänger George W. Bush. So kommt Kolmer zu der Prognose: „Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die Medien in Europa und im Nahen Osten über die kaum veränderten Anforderungen der US-Politik an ihre Partner in Europa berichten werden und dann die Ernüchterung bei den Umfragewerten diesseits des Atlantiks eintreten wird.“

Media Tenor International analysiert die Berichterstattung über die amerikanischen Spitzenpolitiker, Parteien und die US-Regierung kontinuierlich in den Hauptabendnachrichten von ARD, ZDF, BBC, ITV, Al Arabiya, Al Dschasira, LBC TV, CNN World News, ABC, CBS, NBC und Fox. Dazu wurden im Zeitraum vom Januar bis April 2009 insgesamt 12.866 Berichte mit 69.898 Aussagen ausgewertet.

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