Zürich, 1. September 2009: Die Große Koalition kann die Öffentlichkeit immer weniger überzeugen. Seit dem Jahr 2006 geht die Zustimmung zu Ministern und Ministerien in den tonangebenden Medien mehr und mehr zurück. Dies zeigt die Langfristanalyse des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor. „Nach dem Niedergang der Schröder-Regierung waren die Erwartungen hoch, und das Medienbild der Regierung verbesserte sich deutlich,“ erläutert Roland Schatz, Gründer und Chefredakteur von Media Tenor. „Aber schon seit 2006/2007 hat sich das Medienbild bereits wieder verschlechtert.“
In mehr als 304.000 Beiträgen in den Hauptabendnachrichten von ARD, ZDF und RTL, der Bild-Zeitung sowie Focus und Spiegel haben die Analysten von Media Tenor alle Artikel genau untersucht, die sich mit den Ressorts der Bundesregierung und ihren Ministern befaßt haben. Das Ergebnis zeigt, daß kritische Berichte das Bild der Regierung auf lange Sicht prägen: Vor dem Regierungswechsel im Zeitraum Juli 2004 bis Juni 2005 betrug der Überhang negativer Berichte über die Ministerien 25% und auch für die Minister lag der Saldo der Kritik bei über 10%. „Nur im Zeitraum Juli 2005 bis Juni 2006 wurde die Köpfe der Regierung unter dem Strich positiv bewertet,“ erklärt Dr. Christian Kolmer, Leiter der Politikforschung bei Media Tenor. Das Bild der Minister verschlechterte sich seit Sommer 2008 wieder deutlich, vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise.
„Zwischen den Partnern der Großen Koalition bietet die Kritik an einzelnen Ressorts – die von Ministern des Koalitionspartners geführt werden – einen Weg, sich in den Medien zu profilieren und auf Schwächen des aktuellen Partners und zukünftigen Gegners abzuheben. Damit wird allerdings auch die Kritik von Seiten der Journalisten und der Opposition aufgewertet“, konstatiert Dr. Christian Kolmer. Der Verschleiß der Großen Koalition und der Aufschwung der kleinen Oppositionsparteien, wie er zuletzt bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und im Saarland zu beobachten war, speist sich auch mit der zunehmenden Enttäuschung der Medien mit der Politik der Bundesregierung.
Media Tenor International analysiert die Berichterstattung der tonangebenden deutschen Medien kontinuierlich seit 1994. Für diese Analyse wurden die Sendungen ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF heute und heute journal, RTL Aktuell, die Bild-Zeitung sowie Focus und Spiegel im Zeitraum 01.07.2003 bis 30.06.2009 ausgewertet. Von insgesamt 304.481 Beiträgen befaßten sich 11.181 hauptsächlich mit Ministern, 1.039 mit Ministerien.
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