Die Daten der Medienforscher belegen, dass bei ABC, CBS, FOX und NBC schon lange vor dem Zusammenbruch der internationalen Finanzmärkte vor allem solche Informationen in die Sendung aufgenommen wurden, die eine Negativ-Sicht der wirtschaftlichen Lage unterstützten. „Im Juni 2008 – also 6 Monate vor den US Wahlen – lag der Negativ-Saldo der Wirtschaftsberichterstattung in den USA bei Minus 60%. Dabei war die US-Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt noch mit 3,3% gewachsen. Eine derart pessimistische Nachrichtenauswahl kannte man bis dahin eher aus Deutschland. Auch hier wurde viel eher über die Skandale bei Telekom, Siemens oder Deutscher Bank berichtet als über den Mittelstand, der für 80% aller Arbeitsplätze sorgt,“ so Schatz.
Selbstverständlich bleiben solche Informationen nicht ohne Wirkung: Der Consumer Confidence Index in den US ist im Nachgang des Berichterstattungs-wechsels in den US genauso zusammengebrochen wie dies auch in Deutschland der Fall war – wohlgemerkt schon ab dem zweiten Halbjahr 2006, als die Wirtschaft beider Länder noch wuchs. „Die Leichtfertigkeit, mit der Begriffe wie ‚Rezession´ oder gar ‚Great Depression´ zu einem Zeitpunkt von den TV-Nachrichten eingesetzt wurden, als dies durch die Statistiken der World Bank, der OECD oder der jeweiligen Zentralbanken nicht gestützt wurde, ist nur mit der Sehnsucht nach Sensation zu begründen. Dass dies am Ende zu einer Self-Fulfilling Prophecy werden würde, hatte keiner bedacht“, erläutert Schatz die Nebeneffekte der Medienberichterstattung.
Media Tenor International analysiert die Inhalte der tonangebenden deutschen Medien kontinuierlich seit 1994 und der amerikanischen Medien kontinuierlich seit 2000. Für diese Analyse wurden 35.494 Beiträge in ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF heute und heute journal, RTL Aktuell, sowie 36.848 Beiträge in den amerikanischen TV-Nachrichten von ABC, CBS, FOX und NBC im Zeitraum 01.07. 2008 bis 31. 08.2009 ausgewertet.
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