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Katholische Kirche auf dem Weg in die nächste Medienkrise?
2010-03-05
Zürich, 5.3.2010: Mißbrauch von Kindern und das Medienbild der Katholischen Kirche, 01/2009-03/2010

Zürich, 05. März 2010. Der Umgang der Katholischen Kirche mit den Mißbrauchsvorwürfen an den Eliteschulen des Jesuiten-Ordens bringt die Kirche unter starken Mediendruck. Dies zeigt eine aktuelle Analyse der Fernsehnachrichten, die das Zürcher Forschungsinstitut Media Tenor am Freitag veröffentlicht hat.

"Die Katholische Kirche hat damit ihren Sympathie-Bonus, den sie durch die Wahl Josef Ratzingers zum ersten deutschen Papst seit fünfhundert Jahren gewonnen hat, endgültig aufgebraucht", erklärt Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor International. Zwar liege die Aufmerksamkeit noch unter dem Niveau des Vorjahres, als sich Benedikt XIV. mit den Vorwürfen im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme der Holocaust-Leugners Richard Williamson konfrontiert sah, aber die Pädophilie-Skandale rührten an den Nerv des Katholischen Kirchenverständnisses.

"Schon seit dem Herbst brachten die Nachrichten von ARD und ZDF kaum noch positive Nachrichten über die Katholische Kirche und unter der Ägide des neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Robert Zollitsch, geriet die Kirche zunehmend aus dem Blick", erläutert Dr. Christian Kolmer, Leiter des Gesellschaftsressorts bei Media Tenor International. Ohne nachhaltige Sichtbarkeit der christlichen Botschaften und der kirchlichen Aktivitäten könne die Kirche das Vertrauen der Menschen, die ihr nicht mehr nahestehen, kaum erhalten.

"Der Umgang des Jesuitenordens und der Bischöfe mit den neuen Vorwürfen war nicht sonderlich professionell", urteilt Roland Schatz, denn die Kommunikation der eigenen Maßnahmen erfolgte nur zögerlich. So gebe es noch immer keine bundesweite Hotline für Mißbrauchsopfer. "Bei einem solch defensiven Kommunikationsstil ist es kaum verwunderlich, daß die Kritiker die Oberhand in der Diskussion behalten", so Dr. Kolmer. "Auch der scharfe Angriff auf die Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, die den jahrzehntelangen Sonderweg der Kirche angeprangert hatte, brachte der Kirche keine Unterstützung."

Vor diesem Hintergrund rät Roland Schatz den Bischöfen zu einer offeneren Haltung: "Nur ein absolut offener Umgang mit den Vorwürfen, der auch vor dem Episkopat nicht Halt macht, kann den Weg dazu öffnen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen."

Media Tenor international beobachtet die Berichterstattung der tonangebenden deutschen Medien seit 1994. Für diese Analyse wurden insgesamt 1.345 Berichte (mindestens 5 Sekunden Länge) über die Katholische Kirche in ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF heute und heute journal und in den 7:00-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks ausgewertet.

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