Zürich, 7. Mai 2010. Hannelore Kraft ist mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in der Medienpräsenz gleichgezogen. Seit Ende April wurde die SPD-Herausforderin von den tonangebenden Print- und Fernsehmedien deutlich besser bewertet als der Amtsinhaber. Dies zeigt die aktuelle Auswertung des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor International. In einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen überholte die SPD-Politikerin den Ministerpräsidenten: 43% der Befragten wünschten sich Kraft als Ministerpräsidenten gegenüber 41%, die Rüttgers vorzogen.
„Jürgen Rüttgers hat damit seinen Amtsbonus verloren“, erklärt Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor International. Diese „ungewöhnliche“ Entwicklung – so Forschungsgruppe Wahlen – speist sich zum einen aus dem Fernsehduell, bei dem Hannelore Kraft als sympathischer wahrgenommen wurde. Noch wichtiger ist aber ihre starke Sichtbarkeit in den TV-Nachrichten. „So wurde Hannelore Kraft zu einer ernstzunehmenden Gegenkandidatin“, erläutert Dr. Christian Kolmer, Leiter der Politikanalyse bei Media Tenor International.
Während die Auseinandersetzung um Sachfragen in den Medien nur eine geringere Rolle spielte, drehte sich die Berichterstattung vor allem um die Wahlchancen. Die Schwächephase der FDP, die in den ersten drei Monaten des Jahres vor allem durch das kritische Medienbild auf der nationalen Ebene getrieben wurde, wurde von den Medien in erster Linie als ein Schub für Hannelore Kraft und Rot-Grün interpretiert. „Jürgen Rüttgers ist es nicht gelungen, mit seiner Warnung vor einem Zusammengehen von SPD und Linkspartei in den Medien durchzudringen“, urteilt Dr. Kolmer, „aber sicher kann er damit die traditionellen CDU-Wähler mobilisieren“.
Während das Bild der Parteien vor allem durch ihre bundespolitische Wahrnehmung geprägt wird, spielen auf der Länderebene vor allem die Persönlichkeiten eine Rolle. „Dies wird auch durch den stark auf die Spitzenkandidaten zugeschnittenen Wahlkampf deutlich“, so Dr. Kolmer. Vor diesem Hintergrund profitierte Hannelore Kraft stärker von dem Fernsehduell als der Amtsinhaber. „Rüttgers war in den letzten Jahren nicht mit den entscheidenden Botschaften für CDU Wähler – und Zukunft des Mittelstandes – in den Medien präsent. Damit konnte auch keine Begeisterung an der Basis entstehen. So zu tun, als sei man der jüngere Johannes Rau, reicht insbesondere in Zeiten der Krise nicht.“
„Der Wahlkampf in NRW zeigt, daß die sogenannten traditionellen Medien – und hier vor allem das Fernsehen – immer noch den stärksten Einfluß auf die Wahlenentscheidung haben“, so Roland Schatz. „Denn sie erreichen den größten Teil der Bevölkerung und bestimmen die Agenda in den anderen Kanälen.“
Media Tenor untersucht die tonangebenden deutschen TV- und Printmedien seit 1994. Für diese Analyse wurden insgesamt 718.912 Aussagen von/über Politiker und Parteien zwischen dem 1. April und dem 5. Mai 2010 ausgewertet.
Die Beiträge wurden von geschulten Codierern ausgewertet. Die durchschnittliche Inter-Codierer-Reliabilität betrug im IV. Quartal 2009 87%.
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