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Print-Titel sind auch online die Agenda-Setter
2010-11-22
Berlin, 22.11.2010: Social Media-Analyse zu zehn ausgewählten Themen, 1-8/2010

Berlin, 22. November 2010. Entgegen der bisherigen Wahrnehmung bleiben auch im Internet die Qualitäts-Medien erste Anlaufstelle, wenn Themen aus Politik und Wirtschaft diskutiert werden. Sei es mit Blick auf die Debatten um den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler, den Umgang mit den Persönlichkeitsrechten bei Google Street View oder die Folgen des Vulkanausbruches auf Island – die Teilnehmer in Diskussionsforen, Blogs und anderen Plattformen im Internet verweisen in erster Linie auf Inhalte der Qualitätsmedien. Dies ergab die erste umfassende Inhaltsanalyse zum Agenda Setting-Verhalten im Internet des Medienforschungsinstitutes Media Tenor International gemeinsam mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

Damit bestätigt die Studie die bisherigen Resultate aus der kontinuierlichen Media Tenor Zitate-Analyse, bei der in den 39 deutschen Meinungsführer-Medien Tag für Tag in den Print-Medien auf Seite 1 sowie im Politik- und Wirtschaftsressort bzw. in den vollständigen Nachrichtensendungen von Deutschlandfunk, ARD, RTL sowie ZDF durch ausgebildete Analysten Verweise auf redaktionelle Inhalte von Medien nach Inhalt, Thema und Platzierung ausgewertet werden. Die tonangebenden Medien sind unverändert die Bild-Gruppe, der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt und der Focus.

Von allen Texten, die im Internet mit Bezug zu zehn ausgewählten Themen gefunden und inhaltsanalytisch auf Quellenverweise ausgewertet werden konnten, weil in den Texten nicht nur individuelle Befindlichkeiten ausgedrückt, sondern Hinweise auf Meinungsführerschaft manifest wurden, war der Verweis in erster Linie auf Inhalte von Tageszeitungen oder Wochenmedien zurückzuführen. Nur in 10% aller Texte wurde auf Blogger, Facebook, YouTube oder andere Social Media verwiesen.

Werden alle Verweise in den Internet-Texten auf die sechs ausgewählten Themen mit Schwerpunkt Politik zusammengenommen, wird die Dominanz der Quellen mit redaktionellem Ausweis noch deutlicher: Die Redaktion von Spiegel Online liegt vor den eigenen Print-Kollegen, gefolgt von Welt, ARD Online, FAZ und Bild. Die Auswertung der Social Media-Beiträge belegt zudem, daß trotz der gegenseitigen Verlinkung innerhalb der Gemeinschaft kein Angebot als Meinungsführer bzw. als „Alpha-Blog“ zu erkennen war. Zwar war die Verlinkung wie auch die daraus folgende Autoritätseinschätzung durch Sysomos unterschiedlich, doch auch die stärker etablierten Angebote erreichten hier lediglich mittlere Werte und eher bescheidene Zitierungszahlen.

Daher unterstützen die Untersuchungsergebnisse die These, wonach die Suche nach Mei-nungsführern innerhalb der Social Media im Vergleich zu anderen Mediengattungen eher sekundär ist, Social Media vielmehr eher als Gesamtheit zu betrachten sind. Da das Agenda Setting innerhalb der Gemeinschaften primär im Austausch mit den etablierten Medien bzw. durch Nachahmungseffekte innerhalb der Gemeinschaft mit wenig Neigung zu direkten Zitaten geschieht, scheinen zumindest im Jahr 2010 bei der Analyse und Beurteilung der Social Media Inhalte deutscher Sprache einzelne Quellen weniger ausschlaggebend.

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